Jeder Mensch verdient einen würdevollen und persönlichen Abschied.

„Gebt mir ein letztes liebes Wort“, wie es der Dichter Tagore einmal schreibt.

So verstehe ich meine Aufgabe als Trauerredner, einen Rückblick auf ein Leben zu werfen, ohne zu übertreiben, ohne zu beschönigen oder zu übergehen, was alles war.
Irgendwo sind wir Menschen alle zerbrechliche Wesen, die ihren Lebtag lang suchend, irrend und mühend ihren Weg vorantasten. Erfolg und Misserfolg, Scham und Triumph, Glück und Unglück liegen dicht beieinander.

In einem Trauergespräch machen wir uns auf die Spurensuche im Leben des Verstorbenen.
Da gibt es immer viel zu entdecken an Lebenswenden, Schicksalsschlägen, Träumen, Gelingen und Misslingen.
Niemals ist ein Leben nur schwarz oder weiß.

Es ist wie mit sparsamen Strichen ein Portrait zu zeichnen, das das Wesentliche herausarbeitet, nicht zu viel und nicht zu wenig.
Und es gilt dann, für die Trauernden eine stimmige Abschiedszeremonie zu gestalten, mit Musik und Text, mit Ritualhandlungen und Stille, die nochmal einen starken Akkord setzt.
Hier steht meine jahrzehntelange Erfahrung ganz für Sie bereit.

 

Meinen Urlaub habe ich bekommen.
Sagt Lebewohl mir, Brüder!
Vor jedem einzelnen von euch verneig´ ich mich
und nehme meinen Abschied.
 
Hier sind die Schlüssel meiner Tür!
Ich gebe Sie zurück, entsage jedem Anspruch
auf mein Haus. Ich bitte nur
gebt mir ein letztes liebes Wort!
 
Nachbarn sind wir lang gewesen;
jedoch empfangen hab´ ich mehr,
als ich nur geben konnte.
Nun graut der Morgen.
 
Die Lampe, die den dunklen Winkel meines kleinen Daseins
hell gemacht, ist aus.
Die Ladung ist gekommen.
Ich bin bereit zur Reise.

 
Rabindranath Tagore